Schicker und schlanker: die Wählscheibe löst die Handkurbel ab

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Ab 1900 traten Tischapparate ihren Siegeszug an, denn damit konnte man während des Gesprächs bequem am Tisch sitzen und musste nicht im kalten Flur stehen, wo meist die Fernsprechwandapparate angebracht waren. Der Apparat ganz rechts war über viele Jahre einer der am weitesten verbreiteten Apparate, sowohl an Hauptanschlüssen wie auch an Nebenstellen. Seine doppelte Steckmöglichkeit für die Induktorkurbel erleichterte die Bedienung, da der Apparat (nicht zuletzt wegen der in ihm installierten Akkumulatoren) 5 kg und mehr wiegen konnte und nicht einfach auf dem Tisch verschoben oder gar während des Gesprächs an einen anderen Ort versetzt werden konnte. Um einen Anruf zu tätigen, musste der Teilnehmer den Handapparat abnehmen und dann die Kurbel um zwei bis drei Umdrehungen drehen. Dies löste in der Vermittlungsstelle eine Anrufklappe oder ein Leuchtzeichen aus, das die Vermittlungsbeamtin über den Anrufwunsch informierte. Nachdem sich die Beamtin gemeldet hatte, gab der Teilnehmer seinen gewünschten Gesprächspartner an, und die Beamtin stellte die Verbindung entweder sofort her (Betrieb im Sofortdienst), oder sie kündigte einen Rückruf an (Betrieb im Speicherdienst). Am Ende des Gesprächs musste der Teilnehmer in der Anfangszeit den Kurbelinduktor erneut betätigen, um der Beamtin anzuzeigen, dass das Gespräch beendet war. Später genügte das Auflegen des Handapparates.

1898 wurde das Telefon mit Wählscheibe patentiert. Die Fingerlochscheibe des Nummernschalters zeigt neben den Ziffern 1 bis 0 noch die Buchstaben A bis K. Anders als in England und den USA, wo es bei manchen Netzbetreibern noch bis weit in die 1970er Jahre üblich war, eine Rufnummer in Buchstaben und Ziffern anzugeben, setzte sich in Deutschland eine Kombination aus Buchstaben und Ziffern nicht durch.

1934 waren Nebenstellenanlagen – sozusagen Vermittlungsstellen im Kleinformat – in Unternehmen und Behörden die Regel. Neben großen Nebenstellenanlagen mit Wählersälen und großen Abfrageeinrichtungen waren auch Reihenanlagen in Gebrauch. Sie benötigten zwar keine aufwändige Zentrale, mussten aber mit vieladrigen Kabeln verbunden sein. So betrug der Aderbedarf einer Reihenanlage mit zwei Amtsleitungen und fünf Reihenstellen auch in den 1960er Jahren noch mindestens 120 Adern von Sprechstelle zu Sprechstelle. Dafür boten die Anlagen einigen Komfort, wie sich auch an dem Apparat ganz links zeigt: Der Zustand der Amtsleitung und der Nebenstellen (frei/belegt usw.) wurde durch Schauzeichen, später auch durch Glimm- und Glühlampen angezeigt, Gespräche konnten weiter vermittelt werden, interne Telefonate und sogar Konferenzgespräche waren möglich.