Alcatel-Lucent Deutschland - Wir haben Geschichte

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Mobile und fixe Datennetze verbinden heute Millionen von Menschen miteinander, von jedem Ort, zu jeder Zeit. In Bruchteilen von Sekunden jagen Informationen und Bilder durchs Netz. Immer neue Technologien setzen neue Formen der Kommunikation in Gang. Nutzbar für jedermann. Das war nicht immer so. Am Ende des 19. Jahrhunderts galt Telefonieren zunächst als Privileg. Jeden einzelnen Anruf musste das Personal über sogenannte Klappenschränke vermitteln. Mit Beginn der Telefonie fiel auch der Startschuss für die Stammfirmen der heutigen Alcatel-Lucent Deutschland.

Chronologie

 1800

Lewert Apparatebau
Bis hierher lassen sich die Wurzeln von Alcatel-Lucent Deutschland zurückverfolgen. Im Jahr 1800 gründet David F. Lewert eine Werkstatt in Berlin, die er später zur ersten Manufaktur für elektromagnetische Telegraphie und zu einem führenden Lieferanten von Morseapparaten im späten 19. Jahrhundert ausbaut.

 1853

Gurlt Telegrapheneinrichtungen
Gegründet in Berlin mit dem Ziel, neue Privat-Eisenbahnen mit Telegrapheneinrichtungen zu beliefern, schließt die Firma im gleichen Jahr bereits einen Liefervertrag mit der Königlich Preußischen Telegraphendirektion ab, um sich neben Lewert und Siemens & Halske als dritter Lieferant zu etablieren.

 1858

Heller Mechanische Werkstätte
Am Wirtschaftsstandort Nürnberg gründet Friedrich Heller seine erste Werkstatt, die sich im industriellen Aufbruch mit der Herstellung physikalisch medizinischer Geräte oder auch Haustechnik wie elektrischen Türklingeln beschäftigt. Hier entstehen die Wurzeln der Lucent-Geschichte in Deutschland. 

 1874

Felten & Guilleaume
Unter dem Namen F&G Carlswerk eröffnet F. C. Guilleaume eine Fabrik für Drahtproduktion in Köln-Mülheim. Fahrdrähte, Freileitungsseile aus Kupfer und Aluminium, Leitungsdrähte und Starkstromkabel zählen in den folgenden Jahrzehnten zum Produktprogramm. 1876 errichtet F&G das erste unterirdische Telegrafennetz von Berlin nach Halle (Saale).

 1875

Heller Telefonfabrik
Als Pionier der Nachrichtentechnik erweitert Heller seine Werkstatt zur ersten Telefonfabrik. Er befasst sich mit den von Bell vorgestellten „Fernhörern“, entwickelt die Telefonapparate weiter und präsentiert sie 1877 der Öffentlichkeit. Der Erfolg ist so groß, dass Heller im Jahr 1884 neben mehreren hundert Telefonanlagen bereits 10.000 Privattelefone ausliefert.

 1877

Bell Telephone Company
Nach Eintragung seines Telefon-Patents 1876 gründet Alexander Graham Bell gemeinsam mit zwei Partnern die Bell Telephone Company in Boston/Mass., später American Bell, die 1899 in AT&T, American Telephone & Telegraph Corp., NYC, aufgeht. Damit ist zugleich der Grundstein für die spätere Lucent Technologies gelegt.

 

 1879

Mix & Genest Telegraphenbau-Anstalt
Der Ingenieur Werner Genest gründet gemeinsam mit dem Kaufmann Wilhelm Mix die Mix & Genest (M&G) Telegraphenbau-Anstalt und Telegraphendraht-Fabrik in Berlin. M&G setzt auf die Zukunft der Telefonie und widmet sich der Entwicklung und Herstellung elektrischer Nachrichtengeräte. Von Anfang an werden die Werkstätten auf wirtschaftliche Mengenfertigung ausgerichtet.

 1880

C. Lorenz Telegraphenbauanstalt
Carl Lorenz gründet offiziell als Alleingesellschafter die C. Lorenz Telegraphenbauanstalt in Berlin. Ihr ursprüngliches Arbeitsgebiet war die Fabrikation von Morsetelegraphen und Streckenläutewerken für die Eisenbahn. Ab 1893 und der Übernahme von Lewert kam der Bau von Telefonapparaten hinzu.

 1898

Compagnie Générale d'Electricité (CGE)
In Paris gründet der französische Ingenieur Pierre Azaria das Elektrounternehmen CGE. Im Fokus stehen die Produktion und der Vertrieb von Elektrogeräten, Lampen und Turbinen zur Stromerzeugung. Unterstützt wird Azaria von Schweizer Kapital und Know-how. So war einer der ersten Direktoren Walter Boveri, einer der späteren Gründer von Brown-Boveri.

 1906

F&G Lahmeyer Werke
Felten & Guillaume (F&G), Köln, etabliert u.a. als Hersteller von Telegraphendraht und Betreiber eines Kabelwerks in Nürnberg, übernimmt die Firma Heller, die an akuten Liquiditätsproblemen leidet. Von nun an firmiert diese unter „F&G Lahmeyer Werke Zweigniederlassung Nürnberg“.

 1906

C. Lorenz AG
Lorenz geht an die Börse als C. Lorenz Aktiengesellschaft, Berlin. Im gleichen Jahr erwirbt die Firma die Poulsen-Patente für einen Lichtbogen-Sender. Damit wird neben der drahtgebundenen Fernmeldetechnik eine umfassende Entwicklungstätigkeit und Erfolgsgeschichte in der Funktechnik begründet. 1915 erfolgt zudem die Übernahme der Wilhelm Gurlt GmbH.

 1912

TeKaDe
F&G fasst seine beiden Nürnberger Werke zusammen und firmiert diese unter „Süddeutsche Telefon-, Apparate-, Kabel- und Drahtwerke AG“, kurz Telefon-Kabel-Draht oder TeKaDe. Damit entsteht auch ein neuer Name, der später noch als Marke in der Röhrentechnik für Rundfunk- und Fernsehempfänger eine bedeutende Rolle spielen wird.

 1920

ITT
ITT International Telephone & Telegraph Corporation wird von den Brüdern Hernand und Sosthenes Behn in White Plains/NY gegründet. Ziel des jungen Unternehmens, das sehr global orientiert ist, ist zunächst der Aufbau und die Vermarktung neuer interkontinentaler Fernsprechverbindungen.

 1921

M&G bei der AEG
Während des politisch wie wirtschaftlich ausgeprägten Wandels in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg sind Konzentrationsbewegungen auf dem Feld der Kommunikationstechnik zu beobachten: AEG übernimmt die Aktienmehrheit an Mix & Genest, das zu einem führenden Anbieter von Vermittlungsämtern und Nebenstellentechnik geworden ist.

 1925

International Standard Electric Corp.
ITT erwirbt International Western Electric von AT&T und firmiert sie als International Standard Electric Corporation (ISE). Hier fällt erstmals der Name „Standard Elektrik“.

 1929

Standard Elektrizitäts-Gesellschaft AG
ISE gründet als deutsche Holding die „Standard Elektrizitäts-Gesellschaft AG“ (SEG), Berlin, in die AEG als Teilhaber u.a. die „Mix & Genest AG“ einbringt. Im folgenden Jahr übernimmt SEG den Apparatebau der TeKaDe und führt ihn unter S.A.F., Nürnberg.

 1930

C. Lorenz AG bei ITT
ITT erwirbt die Aktienmehrheit an der C. Lorenz AG. Damit sichert sich ITT insgesamt einen bedeutenden Einfluss auf die transatlantischen Funk- und Fernsprechverbindungen ebenso wie auf das wachsende Geschäft mit Nachrichtentechnik in Deutschland.

 1948

C. Lorenz AG und M&G
Nach dem Zweiten Weltkrieg, dessen Folgen zur fast völligen Zerstörung und Demontage ihrer Fabriken und Werkstätten sowie zu einer wirtschaftlichen Isolation am Standort Berlin geführt haben, ziehen sowohl Lorenz als auch Mix & Genest in der Zeit des Wiederaufbaus nach Stuttgart um.

 1956

Standard Elektrik AG
SEG firmiert nunmehr als Standard Elektrik AG in Stuttgart, nachdem bereits 1954 die Mix & Genest AG sowie S.A.F. auf sie verschmolzen wurden. Die Fernmeldefirma mit mehr als 6.000 Mitarbeitern erweitert ihr Spektrum auf die Übertragungstechnik und gründet ein Kabel- und Informatikwerk.

 1958

Standard Elektrik Lorenz AG (SEL)
Mix & Genest verschmelzt SEG mit Lorenz und firmiert von da an als Standard Elektrik Lorenz AG (SEL) in Stuttgart. In den Zeiten des Wirtschaftswunders ist das Unternehmen mit dem Strahlenstern-Logo einer der bedeutendsten Lieferanten der Deutschen Bundespost mit Vermittlungs-, Übertragungs- und Funktechnik. Nebenstellenanlagen und Endgeräte für Unternehmen sowie Unterhaltungselektronik für Endkunden runden das Programm ab.

 1966

Alcatel
CGE übernimmt die Société Alsacienne de Constructions Atomiques, de Télécommunications et d'Electronique, kurz Alcatel, und erweitert damit sein Portfolio u.a. in Richtung der Nachrichtentechnik. In der Folge wird hierfür auch der Markenname Alcatel eingeführt.

 1979

Philips n.v.
Der niederländische Elektrokonzern aus Eindhoven erweitert seine Aktivitäten auf die Kommunikationstechnik in Deutschland und erwirbt dafür die Mehrheit an Felten & Guilleaume (F&G), Köln.

 1982

Philips Kommunikations-Industrie AG (PKI)
Philips tritt nun aktiv auf dem Markt für öffentliche und private Kommunikationstechnik in Deutschland unter seinem eigenen Markennamen auf: F&G Netzwerktechnik und Bürokommunikation firmieren jetzt neu unter Philips Kommunikations-Industrie AG (PKI) in Nürnberg.

 1985

Alcatel Alsthom
CGE fusioniert mit Thomson Télécommunications und firmiert das neu gegründete Unternehmen unter Alcatel Alsthom. Es entsteht einer der großen Konzerne weltweit, der auf den Schlüsselfeldern Kommunikation, Energie und Transport aktiv ist. Der Telekommunikationsbereich tritt unter dem Namen Alcatel auf.

 1986

Alcatel n.v.
CGE übernimmt von ITT deren Telekommunikationssparte und damit auch die Anteile an der bedeutendsten Konzerntochter, der SEL AG in Deutschland, um sie in den eigenen Telekommunikationsbereich Alcatel zu integrieren. 1987 folgt die endgültige Einbindung der SEL AG in die neu gegründete Alcatel n.v., Amsterdam.

 1992

Alcatel SEL AG
Mit der Umfirmierung zur Alcatel SEL AG wird die Integration von SEL in die Alcatel Gruppe sichtbar vollzogen. Die Alcatel SEL AG, die sich im wiedervereinigten Deutschland sehr stark am Aufbau der Telekommunikationsinfrastruktur in den Neuen Bundesländern beteiligt, weist zu dieser Zeit sechs Geschäftsbereiche auf: Vermittlungssysteme, Übertragungssysteme, Funksysteme, Bahnen, Verteidigung und Bürokommunikation.

 1996

Lucent Technologies
In der Zeit von weltweiten Deregulierungsmaßnahmen in der Telekommunikation und damit einhergehenden Konzentrationsbewegungen in der Branche übernimmt AT&T die PKI AG und gliedert die Netztechnik inklusiv der eigenen Bell Labs aus: Lucent Technologies entsteht.

 2006

Alcatel-Lucent S.A.
Globalisierung, Internetboom, Preisverfall und weltweit problematische politische Entwicklungen sorgen in den Jahren nach dem Millennium für Turbulenzen an den Märkten. Auch im Geschäft mit Kommunikationstechnik regiert der rasante Wandel, die Konzentration geht weiter. So fusioniert Alcatel mit seinem US-amerikanischen Mitbewerber Lucent Technologies. Der fusionierte Konzern mit Sitz in Paris trägt den Namen Alcatel-Lucent.

 2007

Alcatel-Lucent Deutschland AG
Jetzt folgt die Verschmelzung der Lucent Technologies Network Systems GmbH, Nürnberg, auf die Alcatel SEL AG, die als Alcatel-Lucent Deutschland AG in Stuttgart firmiert.